Webagenturen
Die Webagenturen sind tot – lang leben die Webagenturen
In einer Zeit von WordPress, Jimdo und Joomla ist es kaum verwunderlich, dass sich eigentlich jeder selber eine Website erstellen kann. Was ich vor 20 Jahren noch in mühseliger „Handarbeit“ Zeile für Zeile in HTML eingetippt habe, erledigt heute ein CMS-System von selber. Damals hatte ich ein kleines Büchlein, welches die wichtigsten Begriffe („Tags“) wie <head>, <body> und <footer> aufklärte und auch wie man das Ganze dann speichern muss, damit man in einem Browser – damals natürlich der Internet Explorer – sehen konnte, was man „programmiert“ hat. Hat man dann im Browser den Text „Hello World“ gesehen, war man schon ein bisschen stolz!
Heute braucht man keine HTML-Kenntnisse, um eine Website im Internet aufzuschalten. Man braucht auch keinen Server, wo man seine Website „hochladen“ muss. All das wird durch Anbieter wie WordPress, Jimdo, Joomla und weitere angeboten. Die Ergebnisse sind auch soweit ganz gut – wenn man denn nichts ausserhalb des Standards möchte. Man braucht bis hierhin auch nicht tausende von Programmen, sondern kann mit WordPress eigentlich alles selber machen. Es braucht „nur“ ein bisschen Text, ein paar Bilder und ein kleines bisschen gestalterisches Gespür, damit die Website am Schluss ansprechend aussieht.
Bis zu diesem Punkt benötigt es definitiv keine Webagentur, die einem die Website macht. Sollte man meinen. Es geht ja nicht darum, einfach nur einen Onlineauftritt zu haben, sondern auch einen tollen Auftritt zu haben, der
- mit einem möglichen Corporate Design korrespondiert
- Responsive ist (also auch auf einem Handy oder Tablet korrekt angezeigt wird)
- Bei Google ein gutes Ranking erzielt (SEO)
- den aktuellen Sicherheitsstandards entspricht (https / SSL)
- den rechtlichen Grundlagen entspricht
- den aktuellen Datenschutzbestimmungen entspricht (DSGVO)
Natürlich kann man einen Teil der oben aufgeführten Punkte als „Laie“ umsetzen. Ich will auch gar nicht behaupten, dass es nicht möglich ist. Aber der zeitliche Aspekt ist in der Regel das Hauptproblem. Ich habe selber immer und immer wieder damit zu kämpfen, dass irgendwas an der Website nicht funktioniert und dann stundenlang nach einer Lösung suche. Diese Stunden sind Stunden, die ich eigentlich nicht aufwenden will, da sich am Schluss meistens rausstellt, dass es eine ganz simple Lösung dafür gibt. Oder man hätte es von Anfang an Anders machen müssen.
Das ist auch oftmals das Problem: Man fängt an, ohne zu wissen, was man eigentlich will. Woher soll man das auch wissen? Aber das ist ja auch nur halb so wild, da es ja auch richtig Spass macht, seine eigene Website aufzubauen. Vor allem, weil man mit WordPress ja sehr schnell zu einem wirklich guten Ergebnis kommt. Aber eben: es braucht halt Zeit und auch die Lust, zig Foren und Webseiten auf Deutsch, aber vor allem auf Englisch durchzusehen, sich Tipps und Anleitungen durchzulesen, Tutorials bei zum Beispiel YouTube zu sehen und zu hoffen, dass man irgendwo was findet, das einem bei der Problemlösung hilft.
Es ist das Eine, sich mit einem neuen Theme auseinanderzusetzen und „herauszufinden“ was wo zu finden ist und welche Einstellung man wo machen kann und muss. (Ja, das ist auch etwas, das unterschätzt wird. Jedes Theme ist in der Regel anders, hat andere Funktionen und hat einen anderen Umfang an Plugins etc. Die Zeit, die man hierfür aufwänden muss, ist unterschiedlich, aber kann definitiv mehrere Stunden betragen. Vor allem, weil man nicht weiss, welche ob und wo man all die Einstellungen machen kann, die man benötigt).
In den Jahren, als ich für diverse Kunden Websites erstellt habe, war es fast die Regel, dass diverse Sonderwünsche geäussert wurden – aber ich bin kein Webprogrammierer und obwohl ich den einen oder anderen HTML-, PHP- oder Java-Code griffbereit habe, übersteigen die meisten Sonderwünsche mein Können. Also beginnt die Suche nach einem entsprechenden Plugin, Script, Tutorial, … und die Stunden vergehen und man probiert alles aus, bis man eine Lösung bereit hat. Selten oder fast nie habe ich diese vielen Stunden in Rechnung gestellt. Wenn ich auch nur die Hälfte meines Stundenansatzes verrechnet hätte, wären viele meiner Kunden erschrocken, welchen Aufwand der Sonderwunsch mit sich gebracht hat. Ich habe aber auch immer erwähnt, dass ich kein Programmierer bin und mich erst mal schlau machen muss und dass es nicht in 5 Minuten erledigt und es keine Garantie auf Erfolg gibt.
Am Schluss läuft es darauf hinaus, dass man einen Spezialisten zuziehen muss. Einen WordPress-Programmierer, der nicht nur eigene Theme programmiert, sondern auch bei fremden „Premium-Themes“. Der Programmierer ist der (oder die), der dann hilft, wenn man nicht mehr weiterkommt. Das Problem ist nur, dass der Programmierer nicht der ist, der den Scherbenhaufen aufräumen soll, oder dann wenn alles „zur Sau ist“ es wieder hinbiegen soll. Und vor allem muss man sich bewusst sein, dass der Programmierer sicher nicht günstig ist. Dazu kommt, dass der Programmierer sicher auch noch anderes um die Ohren hat.
Und hier sind wir schon wieder beim Anfang: der Plan. Wenn man sich anfangs überlegt, was man alles will und was man nicht will. Allenfalls sollte man sich überlegen, ob man allenfalls von Anfang an einen Spezialisten an den Tisch holt. (Das ist dasselbe wie mit Textern: „Die paar Zeilen kann ich auch selber schreiben“. Dann schreibt man was, die Zeit vergeht und plötzlich eilt es. Dann holt man sich einen Texter und zahlt zu dem regulären Preis noch einen Expresszuschlag – und schon geht die Marge flöten).
Schlussendlich ist es für mich wichtig zu sagen, dass es am besten ist, wenn man ehrlich miteinander kommuniziert und auch Grenzen aufzeigt, die Budgetfrage diskutiert aber auch Zusatzaufwände mit dem Kunden aufrichtig bespricht und nicht einfach unter den Tisch kehrt. Es liegt am Designer, den Kunden an der Hand zu nehmen, das Layout aufzubauen und wenn nötig entsprechende Spezialisten ins Boot zu holen – oder zumindest dem Kunden die Situation darzulegen, dass man nicht alles selber machen kann. Wenn man bedenkt, was es alles für Skills für eine Website benötigt: Designen und Programmieren, Texten, Fotografieren, Datenbank- und Serververständnis, Medienrecht, IT-Verständnis, Bildpsychologie, Usability, … man kann nicht alles abdecken – ausser man ist bereit Abstriche zu machen. Ein Webdesigner ist kein Informatiker und ein Informatiker ist kein Webdesigner – auch wenn beide mit Computern arbeiten und jeweils vom anderen Bereich (etwas) Ahnung haben.